Stand heute und Gedanken für 2021

Anfang November ging für mich die Schonfrist endgültig zu Ende. Das Zwicken in den Kniekehlen hat mich länger begleitet als gehofft und einen früheren Wiedereinstieg verhindert. Kein Problem, ich habe keinen Stress bis zum Jahresende noch irgendetwas Wildes machen zu müssen. Natürlich brennt es mir unter den Nägeln, die Energie ist da und so auch die Lust – ich will wieder raus auf die Trails.

Es wird Herbst und das Jahr liegt in den letzten Zügen – Zeit für neue Ideen

Ein bisschen Laufen, etwas Crosstraining, viel Mobilisierung und ganz viel Lesen zum Thema Laufen – damit habe ich Kopf und Körper in der Zeit nach dem NibelungenULTRA in Form gehalten. Immer häufiger kam mir dabei der Gedanke, was das neue Jahr bringen soll. Ich habe kein Problem damit nur des Laufens wegen zu laufen, mir macht es Spaß, mich von meinen Beinen durch die Welt tragen zu lassen. Warum also suche ich doch wieder nach einem größeren Projekt für 2021? Die Frage kann ich mir selbst nicht mal richtig beantworten. Geht es darum, dass ich eine Herausforderung brauche? Das mir die strukturierte Vorbereitung auf etwas Großes gefällt? Will ich mir selbst beweisen, dass in mir mehr steckt, als mein früheres Ich mir selbst glauben machen wollte? Vielleicht spielt das alles irgendwie mit in die Gleichung, vielleicht auch nichts davon.

Wie viel mehr geht noch?

Mein planerisches Ich läuft also wieder Amok. 2020 war ein phantastisches Laufjahr gewesen. Durch das vermehrte Homeoffice blieb mir mehr Zeit fürs Training, die Pandemie hat mich nicht ausgebremst, denn Laufen ist schlicht und einfach der unproblematischste Sport in der Krise. Obwohl ich mich sehr gefordert habe, bin ich ohne Verletzungen durchgekommen (bis auf die Überlastungserscheinung durch den NibelungenULTRA) und bis Jahresende werde ich bei ca. 4.000 km mit 80.000 Höhenmetern rauskommen. „Was ist noch drinnen, wie viel mehr kann ich mir abverlangen?“, frage ich mich.

Mein Trainingslog Stand 21.11.20

Es ist dieses Grenzen austesten, das mich reizt. Viel zu häufig setzen wir uns selbst Limitierungen, weil allgemein gesagt wird, dieses oder jenes sei nicht möglich. Doch wer sagt das? Leute, die es nie versucht haben. Wo die Grenzen des eigenen Potenzials liegen, kannst du und nur du herausfinden, wenn du dich aufmachst, sie zu erkunden. Klar kannst du dabei auch scheitern, aber an der Art wie du scheiterst, kannst du sehen, wie viel dir noch fehlt und im Scheitern lernst du Demut gegenüber deinen Zielen. Deshalb heißt es für 2021 neue, dumme, unerreichbare Ziele zu finden.

Erster Termin im Kalender

Gestern habe ich meine Anmeldung für das Innsbruck Alpine Trairunning Festival (IATF) 2021 bestätig. Wenn Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht, habe ich damit meinen ersten (und sehr wahrscheinlich einzigen) Wettkampf fürs neue Jahr im Kalender. Ich werde am 21.05. auf der 85 km Strecke (3.000 Höhenmeter) durch die Berge rund um den Innsbrucker Kessel unterwegs sein. Bei der Anmeldung musste ich die angestrebte Zielzeit angeben. Ich habe mal 12 Stunden ins Formular eingetragen, das entspricht einer Pace von ca. 9 min/km, damit würde ich, gemessen am Ergebnis des Vorjahres, irgendwo im Mittelfeld landen. Soll mir recht sein. Ganz ehrlich, bei diesen Rennen ist es mir Wurscht, ob ich zwanzig Plätze weiter vorne oder weiter hinten ankomme, mit dem Sieg habe ich nichts zu tun, mir geht es um das Erlebnis und darum, eine gute Zeit zu haben.

Höhenprofil für den 85 km Lauf beim IATF 2021

Vor zwei Jahren bin ich bei dem Event mal die 45 km Runde gelaufen und mehr Laune gemacht, als erwartet. Das Festival ist super organisiert und Innsbruck mit einen umgebenden Bergen ein Traum, daher freue ich mich auf das Rennen, auch wenn dieses Wettkampfding eigentlich gar nicht meins ist. Allerdings ist der IATF nicht das große Ding, auf das ich mein nächstes Jahr konzentrieren will. Zum einen findet der Lauf ja schon im Frühjahr statt und dann gäbe es für die restlichen Monate quasi nichts mehr, auf dass ich hin fiebern kann. Zum anderen sind offizielle (so komisch das klingt) nicht das, woran ich mich messen will – ich gegen andere, das interessiert mich nicht, ich suche die Auseinandersetzung mit mir selbst und die finde ich besser, wenn ich alleine unterwegs bin. Außerdem, und das mag arschig klingen, bin ich mit dem selbstorganisierten NibelungenULTRA dieses Jahr etwas gelaufen, das schon nochmal eine Ecke fordernder war.

Das große Ding

Das IATF ist also nur eine Zwischenetappe, ein kleiner Meilenstein zur Vorbereitung auf etwas … ich schwanke mit dem, was ich schreiben will … auf etwas Größeres … auf etwas Fieseres … auf etwas, das mich zermahlt, mich in meine Einzelteile zerlegt, damit ich, wenn ich mich wieder zusammenbaue, nur das behalten kann, was wirklich zu mir gehört. Ja, ich glaube Letzteres trifft es am besten.

So viele schöne Berge warten 2021 auf mich

Was das sein wird, kann ich euch heute nicht beantworten. Als Zeitpunkt schwebt mir wieder der September vor, damit mir wieder gute zehn Monate konzentrierter Vorbereitung bleiben und mir anschließend die Zeit bleibt, das Jahr gemütlich ausklingen zu lassen. Außerdem fühlt sich der September einfach gut an. Aktuell spiele ich mit dem Gedanken eines mehrtägigen Abenteuers. Mehrere Ideen spuken mir dabei durch den Kopf, doch am wahrscheinlichsten suche ich mir Etwas direkt vor der eigenen Haustür. Mir gefällt die Vorstellung, dieses Jahr durch meine alte, und nächstes Jahr durch meine neue Heimat zu laufen. Und meine neue Heimat, das ist Bayern, das sind die Berge und das heißt massig Höhenmeter, die auf mich warten.

Höhenmeter und langsamer Wiedereinstieg

Damit wird mir plötzlich auch klar, wie ich mein Training fürs neue Jahr strukturieren muss. Es geht nicht darum, die Menge der Gesamtkilometer weiter zu steigern, sondern darum, die Höhenmeter hochzuschrauben. Interessant wird das Ganze natürlich mit dem Winter vor der Tür. Zwar werde ich um Weihnachten herum ein paar Wochen im Odenwald verbringen und hier bekomme ich mit oder ohne Schnee einiges an Steigung in die Beine. Schwierig wird allerdings Januar bis März (je nachdem wie viel Schnee es heuer geben wird auch April), dafür muss ich mir noch etwas überlegen, aber irgendwas wird sich da schon ausgehen und wenn ich dreimal pro Woche mit Grödeln über Forstwege zum Zwiesel raufeiern muss.

Winter auf dem Zwiesel? Es gibt Schlimmeres 😉

Doch das ist erstmal Zukunftsmusik, mein erster Schritt im November war es, überhaupt wieder einen Rhythmus zu finden. Das heißt regelmäßige Läufe mit festem Wochenziel. Nichts übertriebenes, ich starte in der ersten Novemberwoche mit moderate 50 km und bin seither mit jeder Woche 5 km mehr gelaufen. Zweimal geht es dabei in die Berge, dadurch bekomme ich pro Woche 1.500 bis 2.000 Höhenmeter zusammen. Das Hauptziel derzeit ist, mich wieder langsam heranzutasten, auszuprobieren, wie viel Belastung mein Körper aktuell schon wieder verträgt. Übertreibe ich es, spüre ich hin und wieder meine Sehnen zwicken, daher zwinge ich mich bedächtig zu bleiben, es locker anzugehen. Das fällt nicht leicht.

Trainingsplan nach dem Motto: Einfach laufen

Da ich aktuell wieder komplett im Homeoffice bin, aber vergleichsweise wenig Zeit fürs Training einplanen muss, bleiben mir viele freie Stunden, die ich damit verbringe, mich mit viel Trainingstheorie zu beschäftigen. Und damit – ich traue es mich gar nicht zu sagen – mir einen Trainingsplan für nächstes Jahr zusammenzubasteln. Über mein gespaltenes Verhältnis zu Trainingsplänen habe ich ja früher schon berichtet (Trainingspläne und Ich), dennoch muss ich zugeben, dass es mir sehr geholfen hat, im Endstadium meiner Vorbereitung auf den NibelungenULTRA ein Gerüst zu haben, das meine Wochen strukturiert.

Wie genau ich dabei vorgehe, auf was ich achte und wie so ein Trainingsplan aussehen kann, davon mag ich euch beim nächsten Mal erzählen. Als kleiner Teaser vorweg, ich folge dabei einer Strategie, die ich Einfach Laufen nenne und die meinem Motto für 2021 folgt: Einfach laufen. Einfach essen. Einfach leben.

2 Kommentare zu „Stand heute und Gedanken für 2021

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  1. Ein toller Artikel. Ich kann absolut nachfühlen, wie es dir geht. Laufen ist toll und macht Spaß, aber irgendwie möchte man doch auf etwas hinarbeiten. Ein Ziel im Hinterkopf haben. Ich drücke dir mit Innsbruck feste die Daumen und bin auf deinen Weg bis dahin sehr gespannt.
    Liebe Grüße und viel Spaß im düsteren November 😀, Sara

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    1. Lieben Dank, Sara. Zum Glück hat uns der November hier unten im Süden mit vielen goldenen Tagen beschenkt, auch wenn sich jetzt langsam sogar die Gipfel der Hausberge weiß färben.
      Tatsächlich laufe ich so gerne, da brauche ich nicht zwingend irgendwas, auf das ich hin trainieren muss. Aber wenn am Horizont etwas Bedrohliches lauert, ist doch ein anderer Zug drinnen 😆.

      Liebe Grüße,
      Flo

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