Der perfekte Laufschuh

Unter Läufern sind die Schuhe das am meisten diskutierte Ausrüstungsteil. In Foren, Magazinen, im Sportgeschäft und bei Wettkämpfen sprechen wir über sie. Immer geht es darum, welcher der Beste ist. Doch gibt es so etwas wie den besten Laufschuh überhaupt? Das Marketing der Schuhhersteller überbietet sich mit Superlativen und positiven Auswirkungen auf den Speed oder die Gesundheit, die ihre Modelle haben. Kein Wunder, dass wir als Läufer bald glauben, wir könnten unsere Zeiten verbessern oder unsere Verletzungen vermeiden, wenn wir nur endlich den einen, richtigen Schuh gefunden hätten.

Ohne Frage, der Schuh ist eines, vielleicht das wichtigste Ausrüstungsteil eines Läufers, obwohl hier einige (und das eventuell sogar zu Recht) widersprechen würden. Da wir in unserer Gesellschaft aber nun mal daran gewöhnt sind, mit Schuhen herumzulaufen und das pure Barfußlaufen eine doch sehr kleine Nische bildet, bleibt es dabei: Fürs Laufen brauchen wir gute Schuhe.

Was aber gute Schuhe ausmachen und worauf du beim Kauf achten solltest, darauf will ich im Folgenden näher eingehen.


Disclaimer: Ich gebe in diesem Beitrag Empfehlungen ab, die sich aus meinen eigenen Erfahrungen, aber auch aus dem, was biomechanisch sinnvoll ist, zusammensetzen. Je nach deiner Vorerfahrung, deiner Verletzungshistorie und Einschränkungen in deinem Bewegungssystem kann deine Realität von meiner abweichen, ich versuche dies an entsprechender Stelle zu berücksichtigen. Wenn ich in diesem Text Schuhmodelle oder –marken erwähne, dann nicht weil ich Geld oder Zuwendungen von ihnen bekomme, sondern weil ich sie viele Kilometer gelaufen und von ihnen überzeugt bin.


Trail, Straße oder Allrounder?

Das ist die Frage, die du dir zuallererst stellen solltest. Natürlich kannst du mit einem Trailschuh auch auf der Straße laufen, doch wirst du nicht lange Spaß an ihm haben. Beim Trailschuh ist nicht nur das Profil der Sohle deutlich stärker ausgeprägt, auch die Gummimischung ist viel griffiger. Diese, dafür notwendige, weichere Mischung hat aber auch einen Nachteil: Auf Asphaltböden und anderen eher glatten, harten Untergründen läuft sie sich sehr schnell runter, bald ist nichts mehr von dem schönen Profil zu sehen.

Von links nach rechts: Trail, Allrounder und Straßenlaufschuh

Du kannst auch einen Straßenschuh auf dem Trail tragen und das funktioniert häufig sogar überraschend gut. Voraussetzung hierfür ist eine gute Trittsicherheit, mit ihr kannst du einiges ausgleichen. Je schlammiger der Trail, je wurzeliger und steiniger und je kleiner die Tritte, desto mehr merkst du, wie du ins Schwimmen kommst. Und dort, wo du unterwegs bist, kann das mitunter sehr gefährlich werden.

Der Allrounder hat mehr Profil im Vergleich zum Straßenschuh, aber ein etwas härteres Gummi, bzw. eine Mischung aus weicheren Stollen und abriebfesteren Stellen. Mit ihm kannst du mehr Kilometer auf den Straßen und Feldwegen um dein Haus herum laufen, ohne dass er zu schnell verschleißt, für Läufe auf dem Trail bietet er dir aber mehr Trittstabilität als ein Straßenlaufschuh.

Fazit:

Mach dir die Mühe und analysiere, wo du wirklich läufst (nicht wo du gerne laufen würdest, sondern wo du wirklich unterwegs bist). Wenn du im Flachen oder im Mittelgebirge lebst, du eher von der Haustür auf Feld- und Waldwege läufst, dann brauchst du keinen Trailschuh. Wahrscheinlich wird für dich ein Straßenlaufschuh vollkommen ausreichen, eventuell willst du aber auch zu einem Allrounder greifen, wenn du häufiger auch technischere Trails in deiner Runde hast. Der Allrounder hilft dir auch bei moderaten bis etwas schwierigeren Geländeläufen im Tritt zu bleiben. Wenn du allerdings häufig in technischem Terrain unterwegs bist (viel Wurzeln, Steine, kleine Tritte, steile Hänge und Matsch), dann gehört ein Trailschuh an deine Füße.

Ich werde dieses Jahr auf ca. 4.000 gelaufene Kilometer kommen, dabei bin ich oft in den Bergen oder im Mittelgebirge unterwegs gewesen. Dennoch bin ich den überwiegenden Teil meiner Kilometer mit Straßen- oder Allroundschuhen gelaufen, die Trailrunner habe ich immer nur dann rausgeholt, wenn sie wirklich notwendig waren. Deshalb befinden sich in meiner aktuellen Rotation auch zwei Straßen- und zwei Allroundlaufschuhe und nur ein echtes Trailmodell.

Empfehlung:

Setze lieber erstmal auf einen Straßenschuh oder maximal einen Allrounder als dein Go-to-Schuh für dein normales Training. Für die gelegentlichen Ausflüge ins schwierige Gelände kannst du dir dann immer noch einen Trailrunner als Zweitschuh zulegen.

Meinen liebsten Allrounder durfte ich fürs Bergzeit Magazin testen: Den Inov-8 Terraultra G-Grip 270

Mein liebster Allrounder. Auch nach 130 km immer noch bequem: Der Terraultra G-Grip 270

Dämpfung: Wolken vs. Down to Earth

Eine weitere, grundlegende Entscheidung, die du treffen musst, ist wie viel Dämpfung du willst. Dein erster Impuls wird sein: So viel wie möglich. Denn über viele Jahre der Schuhwerbung haben wir gelernt, dass die Dämpfung für Komfort sorgt und Verletzungen vermeidet. Allerdings erhöht sie auch den Abstand zwischen dir und der Erde auf der du läufst und du verlierst das Gefühl für den Untergrund. Und im schlimmsten Fall knickst du schneller um oder dir schlafen dir die Füße ein.

Beispiele für mitteldicke bis fette Dämpfungen

Wenig bis gar keine Dämpfung hat viele Vorteile. Du spürst den Boden unter dir, kannst direkt auf ihn reagieren. Deine Füße stecken voller Nervenzellen, die viele Informationen sammeln und direkt ans Hirn weiterleiten, das wiederum darauf reagieren und die nötigen Anpassungen an dein Bewegungssystem geben kann. Das Ergebnis ist ein sicherer Tritt, der z.B. Verletzungen durch Umknicken vermeidet. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch den Verzicht auf Dämpfung deine Füße ordentlich durchgeknetet werden. In deinen Füßen befinden sich 26 Knochen (das entspricht einem Viertel der gesamten Knochen deines Körpers); entsprechend viele Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke findest du dort. Feste Schuhe, wie wir sie häufig im Alltag tragen, aber auch gut gedämpfte Schuhe sind wie ein Gips, der den Fuß ruhig stellt. Das fabelhafte Konstrukt, das deine Füße sind, bewegt sich nicht, die Muskeln arbeiten nicht, die Gelenke versteifen sich, du verlierst die Geschmeidigkeit, aber auch die Energie und Spannkraft in deinem Fundament. Das wiederum limitiert nicht nur deine Möglichkeiten, sondern kann außerdem auch wieder zu Verletzungen führen.

Beispiele für Minimalschuhe ohne jede Dämpfung. Und ja, das untere ist ein Schuh und man kann mit ihm laufen

Solltest du also komplett auf Dämpfung verzichten? Nein! Zum einen kannst du nicht von heute auf morgen auf einen komplett ungedämpften Schuh umsteigen, denn deine Füße sind darauf überhaupt nicht trainiert. Du wirst wie auf Eiern laufen, denn du spürst jedes kleine Steinchen durch die Sohle. Es wird dich über die Maßen anstrengen, denn deine Fußmuskulatur muss enorm viel arbeiten. Weil deine Füße überlastet werden, steigt die Gefahr einer Verletzung. Dazu muss ich auch sagen, dass gerade auf sehr langen Distanzen eine gute Dämpfung wirklich etwas Feines ist. So gerne ich minimalistisch laufe, bei wirklich langen Runden tun auch mir irgendwann die Füße weh und eine angenehme Dämpfung ist dabei für mich alternativlos.

Fazit:

Beim Thema Dämpfung ist mehr nicht besser, achte lieber auf das richtige Maß. Kürzere Distanzen brauchen keine massive Dämpfung und in technischerem Terrain magst du vielleicht lieber dein gutes Gespür für den Untergrund bewahren. Wenn du ein Faible für lange Distanzen hast, dann wirst du mehr Dämpfung sehr zu schätzen wissen. Hersteller wie Hoka One One oder Altra verstehen es zudem sehr gut, ihren Schuhen ein dickes Kissen unter die Füße zu legen und dir dennoch ein ordentliches Gefühl für das Terrain zu lassen.

Empfehlung:

Wir verbringen viel Zeit in Schuhen. Bevor du beim Laufen anfängst Experimente zu machen und auf einen minimalistischen Schuh zu gehen, schaue lieber erstmal wie häufig du im Alltag barfußlaufen kannst oder auf ein minimalistisches Schuhwerk umsteigen kannst. Du wirst erstaunt sein, dass selbst dein einfacher Sneaker noch eine recht dicke oder starre Sohle hat. Trainiere deine Füße im Alltag, damit sie beim Laufen besser funktionieren. Wenn du dir einen ungedämpften Schuh kaufst, behalte deinen alten und laufe erstmal nur kurze Runden oder Teilstücke mit dem Minimalschuh. Außerdem gibt es ja nicht nur maximal und minimal gedämpft, sondern sehr viel dazwischen. Ich selbst bevorzuge einen mittel bis leicht gedämpften Schuh und trage die Minimalschuhe im Alltag bzw. beim Techniktraining.

Sprengung

Sehr nahe verwandt mit dem Thema Dämpfung ist das Thema Sprengung. Unter der Sprengung versteht man den Abstand zwischen Fußballen und der Ferse (wenn die Sohle am Ballen 4 mm dick ist und an der Ferse 12 mm dick, dann hast du eine Sprengung von 8 mm – man könnte also sagen, die Sprengung ist dein Absatz).

Im Gegensatz zur Dämpfung habe ich hier eine klare Meinung: Je weniger, desto besser. Unser Bewegungssystem braucht eine Sprengung. Punkt. Dennoch haben sehr viele Laufschuhe eine doch recht starke Sprengung. Warum ist das so? Weil unsere Biomechanik komplett verzogen ist und wir ganz häufig sehr stark verkürzte Waden haben. Selbst die einfachsten Alltagsschuhe haben einen leichten Absatz drinnen (wieso auch immer, vielleicht weil wir dadurch einen Zentimeter größer werden …). Dazu verbringen wir viel Zeit im Sitzen, wodurch unsere hintere Kette extrem verkürzt. Unsere Beweglichkeit im Sprunggelenk ist enorm eingeschränkt, wir können kaum in die Hocke gehen, ohne dass sich unsere Fersen vom Boden heben. Wenn es dir auch so geht, dann brauchst du eine Sprengung in deinem Laufschuh, damit du dir nicht die Waden zerschießt. Das ist die traurige Wahrheit. Es sollte nicht so sein, ist aber so.

Essenziell: Wenn du keine saubere Kniebeuge schaffst, hast du einen (oder mehrere) Fehler im System und wirst über kurz oder lang Probleme bekommen. Da hilft auch ein teurer Laufschuh nichts.

Wenn du verkürzte Waden, eine verkürzte hintere Kette und eingeschränkte Mobilität im Sprunggelenk hast, kannst du nicht so einfach von deinem 12 mm gesprengten Laufschuh auf 0 mm gehen, die Belastung auf Waden und Achillessehen wären zu groß und du würdest mit Sicherheit in eine Verletzung laufen (das hat den Barfußlaufschuhen ihren schlechten Ruf eingebracht). Ein Sportartikelhersteller hat mir auf meine Frage, warum sie keine Barfußschuhe produzieren, geantwortet: „Weil die Leute nicht wissen, wie sie damit laufen sollen, sich verletzen und uns die Schuld dafür gebe.“

Fazit:

Eine leichte Sprengung lasse ich mir noch eingehen, denn auf langen Läufen oder wenn du viele Höhenmeter bewältigen willst, kann sie die Waden etwas entlasten. Dennoch versuche ich selbst möglichst mit Schuhen komplett ohne Absatz zu laufen. Als maximale Sprengung toleriere ich 5 mm, aber nur bei einer weichen Ferse, die mich nicht fühlen lässt, als würde ich auf Klötzen laufen (wiederum Hoka bekommt das sehr gut hin). Übrigens schließen sich viel Dämpfung und 0 Sprengung nicht aus. Der Hersteller Altra baut konsequent auf Zero Drop, bietet dabei aber von minimaler bis maximaler Sprengung die komplette Bandbreite an.

Empfehlung:

Siehe Dämpfung, bevor du anfängst beim Lauftraining mit 0 mm Sprengung zu experimentieren, achte lieber erstmal darauf, mit was du im Alltag unterwegs bist. Dazu solltest du mit Stretching und Mobilisierung an deiner Biomechanik arbeiten und erst dann langsam die Sprengung deiner Laufschuhe reduzieren. Es hier zu übereilen, musst du hinten raus teuer bezahlen. Dennoch lohnt es sich daran zu arbeiten, denn eine gut funktionierende Biomechanik, die nahe daran ist, wie der Körper und Bewegung gedacht sind, hat sowohl im Training wie auch im Alltag langfristig einen sehr positiven Einfluss auf deine Gesundheit.

Form: Eng oder weit und wie groß?

Wie breit ein Schuh geschnitten sein muss, hängt natürlich in erster Linie von deiner Fußform ab. Aber auch andere Faktoren bestimmen, wie weit den Schuh sein sollte. Wenn du eher die lange Distanz im Sinn hast, dann sollte dein Schuh etwas breiter sein. Alleine schon, weil dein Fuß sich teilweise enorm weitet, je länger du unterwegs bist. Gehst du gerne in technischem Gelände laufen, dann wirst du aber vielleicht eine schmälere Form wertschätzen; dadurch schwimmst du weniger im Schuh und bist agiler.

Schmal für schnelle Trails, breit für lange Distanzen

In Bezug auf die Größe solltest du immer eine Schuhgröße größer (bzw. 1 bis 1,5 cm mehr) nehmen als bei deinen normalen Tretern. Du wirst den zusätzlichen Platz in der Zehenbox zu schätzen wissen, vor allem wenn es bergrunter geht. Es kann ganz schön schmerzhaft sein, immer wieder mit den Zehen vorne gegen den Schuh zu stoßen und sorgt dazu für hübsche, blaue Fußnägel.

Fazit:

Wie breit die Passform deines Schuhs ist, ist deiner Fußform geschuldet, aber auch deinem Komfortbedürfnis und dem Terrain bzw. der Distanz auf der du unterwegs bist. Mach dir klar, was dir wichtig ist. Wenn du gerne schnelle Downhills laufen willst und auf schwierigen Trails nach Bestzeiten jagst, dann ist eine schmale Form besser; wenn du lieber gemütlich cruisen willst, bzw. auf moderaten Wegen lange Distanzen läufst und viel Strecke komfortabel bewältigen willst, dann greifst du lieber zu einem breiteren Modell.

Gewicht: Jedes Gramm zählt

Gerne unterschätzt und doch so wichtig ist das Gewicht deiner Laufschuhe. Gerade an den Füßen merkst du jedes Gramm enorm. Bei einem Marathon kommen schnell mal 45.000 bis 50.000 Schritte zusammen, wiegen deine Schuhe nur 20 g mehr entspricht das bei 50.000 Schritten einer Zusatzlast von einer Tonne! Deshalb lohnt es sich immer das Gewicht der Schuhe zu vergleichen. Klar sind viele der obengenannten Faktoren noch einen Ticken wichtiger für die Wahl deines perfekten Schuhs, doch wenn du ein paar Modelle in die engere Auswahl nimmst, dann werfe unbedingt einen Blick aufs Gewicht. Interessanterweise sind nicht immer die minimalistischeren Schuhe auch die leichteren, wenn du dir z.B. einen Hoka (sorry, dass sie schon wieder als Positivbeispiel nennen muss) anschaust, wirkt er mächtig, nimmst du ihn in die Hand, bist du überrascht wie leicht er ist.

Membran: Das überschätzte Feature

Warum sollst du nicht gleich die wasserdichte Version des Schuhs nehmen? Weil sie meistens deutlich teurer ist und dir nicht den Vorteil bietet, den sie verspricht. Mal ganz ehrlich: Wie häufig läufst du bei strömendem Regen oder durch zentimeterhohen Schnee? Die paar Male wirst du auch mit nassen Füßen überleben. Dagegen ist die Wahrscheinlichkeit an wärmeren Tagen schwitzige Füße zu bekommen deutlich höher. Egal was dir eine Membran verspricht, ihre Möglichkeiten Schweiß und überschüssige Hitze nach außen zu befördern, sind begrenzt. Ich selbst laufe wirklich bei jedem Wetter und hatte noch nie das Bedürfnis nach einem wasserdichten Schuh. Und wenn ich bei Trails durch einen Bach muss, werden die Füße halt nass – meistens ist der Bach eh tief genug, dass das Wasser bei einem dichten Schuh oben über den Schaft reinlaufen würde.

Haltbarkeit

Leider sieht man die Haltbarkeit einem Schuh nicht zwingend an. Dennoch lohnt es auch ein Auge auf Materialien und Verarbeitung zu haben, denn wenn du schon ein Modell gefunden hast, das dir taugt, dann willst du es auch gerne lange laufen.

Leicht und haltbar: Diese Jungs haben mich 1.200 km begleitet und mir viel Freude bereitet

Haltbarkeit spiegelt sich aber auch in der Sohle wieder. Wie schon zu Anfang gesagt, wirst du eine Trailsohle auf dem Asphalt recht schnell heruntergerissen haben und der Schuh ist deutlich schneller durch, als du es erwartet hast. Klassischer Anwenderfehler. Auf der anderen Seite solltest du dich nicht von Zahlen verwirren lassen, die die Industrie in den Raum wirft. Du kennst diese Angaben, dass man seine Schuhe alle so und so viel Kilometer tauschen sollte (bei Strava wirst du sogar daran erinnert, wenn dein Schuh 400 km auf dem Buckel hat). Ich halte gar nichts von diesen Zahlen, eine Sohle funktioniert so lange, wie sie funktioniert und ein guter Schuh sollte 600 bis 800 Kilometer locker abkönnen. Meinen Spitzenreiter bin ich 1.200 Kilometer gelaufen.

Das gute Gefühl

Weniger stark an technischen Merkmalen oder Zahlen ablesbar ist das Gefühl, dass dir ein Schuh gibt. Wenn du in den Schuh steigst und dich sofort wohlfühlst, ist das eine ganze Menge wert. Wenn du dagegen den Schuh am Fuß hast und er sich wie ein Fremdkörper anfühlt – lass es. Selbst wenn er nur an einer Stelle drückt oder sich irgendwas ein klein bisschen komisch anfühlt, such lieber noch etwas weiter.

Manchmal hat man einen Schuh, der in seiner gesamten Bauart, mit allen Merkmalen genau nach dem Teil klingt, das man haben will. Dann schlüpfst du hinein und dein Fuß sagt: Nein. Höre auf deinen Fuß. Ich habe den Fehler mehr als einmal gemacht und wider besseren Wissens den Schuh mit nachhause genommen… nur um ihn dann zwei Wochen später bei eBay verscherbeln zu müssen. Das Gleiche gilt auch für die Optik. Ja, natürlich haben wir alle gerne einen Schuh, der schick ist, aber wenn du nur noch halb so oft laufen gehst, weil dieser schicke Schuh dir deine Füße zersäbelt, ist auch nichts gewonnen. Im Idealfall findest du ein Modell, das passt, sich gut anfühlt, deine Anforderungen erfüllt und gut aussieht, aber manchmal muss die Eitelkeit hinten anstehen. Dein Ego profitiert weit mehr davon, dein Training fleißig durchzuziehen und Spaß dabei zu haben, als dass der Schuh zu deinen Laufshorts passt.

Der perfekte Schuh?

Mittlerweile sollte klar sein, dass es den einen, perfekten Schuh nicht gibt, dafür sind wir, unsere Ansprüche und Anforderungen viel zu verschieden. Es geht also eher darum, den Schuh zu finden, der am besten zu dir und deiner Situation passt. Als moderater Läufer wirst du eventuell gut mit einem Schuh auskommen, der dich durch dein Training begleitet. Wenn du das Laufen ambitionierter betreibst, wirst du vielleicht feststellen, dass du mit nur einem Schuh nicht hinkommst, da du eventuell einen Minimalschuh oder einen reinrassigen Trailschuh als Ergänzung brauchst.

Ich bin ja eher minimalistisch veranlagt, aber Laufschuhe kann man nie genug haben

Wichtig ist, dass du dir zuerst klar machst, was du wirklich brauchst (nicht was du gerne haben würdest, sondern was tatsächlich deinem Läuferprofil entspricht). Welche Art Schuh – Trail, Straße oder Allrounder – soll es sein, wie viel Dämpfung/Sprengung willst bzw. brauchst du, bist du eher lang und gemütlich oder schnell und technisch unterwegs. Noch bevor du in den (Online-)Shop gehst, stelle dir eine Liste mit Anforderungen auf. Mach dir unabhängig von dem, was der Markt an Versprechungen zu bieten hat, ein Bild davon, was wirklich für dich wichtig ist und suche erst danach aus den verfügbaren Modellen, den Schuh aus, der diesen Anforderungen am meisten entspricht. Dadurch verhinderst du, dass du dich zu sehr von der Werbung beeinflussen lässt. Außerdem fängst du nicht an, dich durch Trailschuhe zu wühlen, obwohl du einen Straßenlaufschuh brauchst. Erwiesenermaßen hindern uns ein zu großes Angebot und zu viel Auswahl daran, eine Entscheidung zu treffen, fokussiere dich also auf das, was deinem Suchprofil entspricht und klammere alles andere aus.

Mit dem richtigen Schuh wirst du nicht besser laufen, aber du wirst beim Laufen mehr Spaß haben. Im besten Fall unterstützt er dein Vorhaben und dein Training, gibt dir mehr Sicherheit und wird nicht zu einem störenden/limitierenden Faktor.

Technik und ein funktionierendes Gestell

Ich werde nicht müde auf diesem Punkt herumzureiten. Du hast es vorher von mir gehört, du wirst es jetzt hören und du wirst es wieder hören: Nichts ist für ein verletzungsfreies und effizientes Lauftraining wichtiger als die richtige Technik und eine gute Biomechanik. Ignoriere bitte alle Versprechungen der Schuhindustrie, die dir versichern, dass du mit ihrem Schuh gesünder oder schneller läufst, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Und nur weil sich eine Firma das Sponsoring für einen Top-Athleten leisten kann, heißt das nicht, dass dieser schneller läuft, weil er die Schuhe trägt, er trägt die Schuhe, weil es so gut laufen kann.

Diese beiden Bücher gehören für mich zur Standard-Lektüre für alle, die es mit dem Laufen ernst meinen

Wenn du wie ich eher autodidaktisch veranlagt bist, dann leg dir unbedingt das Buch Besser laufen mit der Pose Method® von Dr. Nicholas Romanov zu. Hier erklärt der Sportwissenschaftler und Olympiacoach in einfach nachvollziehbaren Schritten den Weg zur perfekten Lauftechnik (anders als den perfekten Laufschuh gibt es diese wirklich). Und wenn du gleich noch beim Buchhändler deines Vertrauens shoppen bist, dann pack dir gleich noch das Buch Werde ein geschmeidiger Leopard von Kelly Starrett in den Einkaufskorb. Ich weiß, der Titel ist nicht unbedingt sexy, aber es ist das beste Buch über Biomechanik und wie man sie selbst verbessern und wieder einrenken kann, dass mir bisher in die Hände gekommen ist.

Wenn du dich lieber coachen lässt, dann suche dir einen Laufcoach, der viel Wert auf Technik legt und der nach der Pose® Methode lehrt. Ja, das kostet Geld, aber das Geld ist sinnvoll investiert, denn es erspart dir eventuell die Kosten für den Physiotherapeuten oder Osteopathen und spart dir viel Zeit, die du ansonsten mit Verletzungen und Reha verbringst. Gerade wenn du nach langer Zeit wieder mit dem Laufen beginnst oder viel mit Wehwehchen zu tun hast, dann verlass dich nicht auf Schuhe, die dich besser machen, sondern arbeite erstmal an deinem Bewegungssystem. Ich kenne viele, die Unsummen für Schuhe ausgeben, in der Hoffnung, ihre Achillessehnen- oder Knieprobleme loszuwerden. Aber wenn ich ihnen die Alternative präsentiere, haben sie dafür keine Zeit oder Geld. Mach nicht denselben Fehler.

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