NibelungenULTRA – Die Wochen danach

Das zweite freie Wochenende nach dem NibelungenULTRA liegt hinter mir – und es war das erste Wochenende des gesamten Jahres, an dem ich mich wirklich entspannen konnte. Kein langer Lauf am Sonntag, keine gemeine Laufchallenge, die mir körperlich und/oder mental in den Hintern tritt, einfach nur 48 Stunden, die rein der Erholung dienen. Natürlich war auch das vorletzte Wochenende frei, doch da stand dann noch eine über 400 km lange Autofahrt zurück nach Münsing an und diese Herumgurkerei stresst mich einfach.

Presserummel

Auch die Urlaubswoche direkt nach dem NibelungenULTRA war nur bedingt erholsam. Da war natürlich die Presse, die über den Lauf berichten wollte und das war auch vollkommen okay. Ob der Bergsträßer Anzeiger oder das Echo haben mich über meine gesamte Vorbereitung begleitet, wobei sie mir sehr geholfen haben, auf meine Spendenaktion aufmerksam zu machen. Ein klein wenig komme ich mir dabei zwar vor wie eine Rampensau (und vielleicht steckt sie auch wirklich einfach in mir), aber Spaß macht das Ganze ja trotzdem. Außerdem muss ich sagen, dass die Erwartungshaltung, die so eine Berichterstattung mit sich bringt, bei einem großen Vorhaben hilfreich sein kann, wenn man damit umzugehen weiß. Steht es in der Zeitung, ist es wahr, dann gibt es kein Zurück mehr. Bei den Terminen nach dem NibelungenULTRA war die Situation allerdings eine andere: Es war geschafft. Keine Anspannung mehr, kein ich hoffe, ich glaube, ich plane dies oder jenes, jetzt stand ich da und hatte abgeliefert. Veni, vidi, vici.

Medial omnipräsent vertreten

Neben den Zeitungen bekam ich auch einen Anruf vom SWR, die ein kleines Interview von mir fürs Radio wollten. Keine Ahnung ob es jemals ausgestrahlt wurde und ob ich halbwegs interessant geklungen habe – ich höre kein Radio. Auch der Bürgermeister lud mich zum Empfang und da sein Büro in direkter Nachbarschaft zu meinen Eltern liegt, habe ich mal vorbeigeschaut. Tatsächlich war es ein sehr angenehmer Termin in lockerer Atmosphäre und mit gutem Kaffee. Der Bürgermeister bzw. die Stadt Lindenfels hat mir zudem einen Scheck mit 130 Euro (für die 130 gelaufenen Kilometer) für meine Spendenaktion in die Hand gedrückt. Eine tolle Geste.

Empfang beim Lindenfelser Bürgermeister

Apropos Geste. Der Herr Landrat der Kreis Bergstraße, der noch in der Woche vor dem NibelungenULTRA angekündigt hatte, eine kleine Strecke mitzulaufen, hat dann doch gekniffen. Terminprobleme war die offizielle Ausrede der Pressestelle. Auf meinen Hinweis, dass ich den Lauf auch ohne den Herrn Landrat gut geschafft hätte, er sich aber immer noch gerne an der Spendenaktion beteiligen könne, habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Nun, dann war ich für seinen Wahlkampf als Plattform wohl doch nicht so und mein Anliegen, den Wald zu schützen nicht Teil seines Programms. Schade.

Abschalten klappt nicht auf Knopfdruck

Neben dem Presserummel war ich aber auch so einfach noch zu sehr unter Spannung, um wirklich abschalten zu können. Den Traum des NibelungenULTRAs trug ich viele Jahre im Kopf mit mir, vor gut drei Jahren glaubte ich (mit kaputten Beinen) nicht daran, ihn jemals realisieren zu können. Nach einem Jahr des Aufbaus und neun enorm intensiven Monaten der direkten Vorbereitung stand ich dann auf einmal nach 131,5 Kilometern in Zwingenberg und hatte es geschafft. Danach legt man nicht einfach den Schalter um, sagt einmal Ohm und ist relaxed.

Der Druck, den ich mir selbst auferlegt habe (ich habe eine extrem hohe Erwartungshaltung an mich selbst und bin damit bisher sehr gut gefahren), braucht Zeit, um zu entweichen. Der Kopf arbeitet immer noch im Angriffsmodus, rattert durch, überlegt, was alles zu tun ist; mit ihm zusammen bleibt auch der Körper alarmiert. Erst nach und nach kommt die Ruhe und mit der Ruhe kommt das Realisieren. Ich stand auf der Burg Lindenfels, den Blick auf die Windräder hinter Weschnitz gerichtet. Von dort verfolgte ich die Route, die der Nibelungensteig nach Lindenfels nimmt und weiter über den Krehberg, der Bergstraße entgegen. Vor ein paar Tagen war ich dieser Route nicht mit dem Blick, sondern mit den Füßen gefolgt. Diese letzten 35 Kilometer mit ihren fast 1.500 Höhenmetern hatten mir, vor allem auch durch die Sehnenreizung, viel abverlangt. Aufgeben war nie eine Option. Es ist wahr, ich hatte mir diesen Traum erfüllt! Dort oben auf der Burgmauer, ein paar Tage danach, das war der Augenblick, in dem sich die Spannung löste und vielleicht hatte ich sogar ein kleines Tränchen in den Augen.

Meine erste Ehrenurkunde

Den letzten offiziellen Termin hatte ich dann mit Loreen Last vom Tourismusverband Nibelungenland. Eine klasse Truppe, möchte ich an dieser Stelle mal erwähnen, denn Loreen und ihr Team haben mein Vorhaben von Anfang an voll unterstützt und mir geholfen mit anderen Läufern der Bergstraße und des Odenwalds in Kontakt zu kommen, die sich den Nibelungensteig ebenfalls vornehmen wollen. Unser offizieller Termin war dann auch mehr eine angenehme Plauderei im Altstadt Café (ihr kommt direkt daran vorbei, wenn ihr den Nibelungensteig lauft, macht hier also unbedingt einen Zwischenstopp, erfrischt euch und besucht auch gleich noch das Drachenmuseum im gleichen Gebäude – Haus Bauerneck in Lindenfels).

Meine ganz persönliche Trophäe: Drachendame Nila

Neben der Drachendame Nila habe ich am Ende des Treffens dann auch die erste Ehrenurkunde meines Lebens erhalten. Erst bei meinen letzten Bundesjugendspielen konnte überhaupt mal eine Siegerkunde erringen, vorher musste ich mich immer mit der Mitmachurkunde begnügen. Weil ich selbst am eigenen Leib sehe, was möglich ist, wenn man bereit ist hart und diszipliniert an sich zu arbeiten, bringen mich Leute auf die Palme, die ihr Unvermögen, ihre Unzulänglichkeiten oder ihr körperliches Versagen auf ihre Gene schieben.

Und meine allererste Ehrenurkunde

Und wie läuft die Regeneration?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich in den vergangenen Tagen gestellt bekomme. Zu Recht, denn so einen Lauf schüttelt der Körper nicht so einfach ab. Nach einem Marathon sollte man Empfehlungen zufolge eine 2 bis 4 Wochen lange Erholungsphase einbauen. Nun bin ich beim NibelungenULTRA mehr als drei Marathons am Stück gelaufen, heißt das, ich soll mehr als 6 bis 12 Wochen regenerieren? Andere Empfehlungen sprechen von einem Tag Erholung pro gelaufenem Kilometer, was bei mir also 131 Tage wären (4 Monate und 10 Tage). Ich werde die Regeneration so handhaben, wie ich den Großteil meines Trainings gehandhabt habe: intuitiv.

Der akute Schmerz in den Kniekehlen hat mich zum Glück recht schnell verlassen. Bin ich sonntags noch in naher Umgebung zur Couch herumgehumpelt, konnte ich montags schon wieder zu einem kleinen Spaziergang aufbrechen. Spazierengehen ist die Geheimwaffe in meiner Regenerationsstrategie, man hält die Beine in Bewegung, sorgt für eine gute Durchblutung und atmet frische Luft. Neben den Spaziergängen setze ich auf Massage mit der Hartschaumrolle und Bällen sowie leichtes Mobilisationstraining und Stretching. Eine aktive Regeneration ist immer deutlich effektiver als eine passive.

Gemütlich am See, die Zehennägel immer noch blau

Am Samstag nach dem NibelungenULTRA habe ich meinen ersten lockeren Lauf versucht, doch nach 6 km begannen die Sehnen erneut zu zwicken und nach 8 km habe ich es sein lassen. Den nächsten Lauf habe ich vergangenen Freitag eingestreut, diesmal ging es schon etwas besser, doch auch hier zwickte es wieder während der letzten 2 km. Die kürzeren Back-to-Back-Läufe am Montag und Dienstag (5 bzw. 7 km) habe ich dagegen sehr gut verkraftet und die Tendenz geht definitiv in die richtige Richtung.

Um wieder mit viel Volumen zu laufen, werde ich sicher noch ein Weilchen brauchen, was aber nicht so schlimm ist. Es steht dieses Jahr nichts mehr an, auf das ich mich vorbereiten müsste und den kompletten September habe ich mir sowieso frei gegeben.

Aktiv faul sein

Frei heißt nicht, faul auf der Couch (die ich eh nicht besitze) herumzuliegen, sondern eben Spazierengehen, Massagen, Mobilisation und moderates Kraft- bzw. Stabilisationstraining. Im Verlauf der letzten neun Monate blieb allenfalls am Anfang Zeit für Crosstraining, hinten raus war das gar nicht mehr möglich. Außer Laufen und Mobilisieren gab es keinen Spielraum mehr für anderes mit dem Ergebnis, dass ich mit Mühe und Not zehn saubere Liegestütze hinbekomme. Deswegen streue ich aktuell gerne die eine oder andere Bodyweight-Session ein, wobei das Ganze nach dem Motto läuft: Alles kann, nichts muss. Wenn ich mich an einem Tag platt fühle, gehe ich halt lieber spazieren.

Back to the Home Gym

Frei heißt aber auch, dass ich mir verboten habe, zu viel nachzudenken – vor allem darüber, was als Nächstes kommt. Irgendwas wird kommen, aber was das sein wird, darüber kann ich noch das restliche Jahr sinnieren. Nur nicht im September. Der September ist der Monat zum Entspannen und Wertschätzen.

Schlachten schlagen

Ich habe meine Schlacht geschlagen und gewonnen, ich habe den Nibelungensteig in 20 ½ Stunden bezwungen und das fühlt sich gut an. Aber ein Kampf geht weiter, der Kampf um unseren Wald und das Klima – dieser Kampf wird nicht einfach zu gewinnen sein. Dank der Spendenaktion sind bereits 2.420 Euro zusammengekommen (danke an alle, denen der Wald genauso wichtig ist, wie mir) und die Aktion läuft noch bis Ende Oktober. Auch sie wird nur einen kleinen Beitrag leisten, aber sie leistet einen Beitrag.

Selbst das erweiterte Spendenziel ist dank eurer Hilfe schon fast erreicht. DANKE!

NibelungenULTRA – Spendenlauf für den WWF

Wenn ich die Wahl habe jetzt gleich eine Kleinigkeit gut zu machen oder stattdessen darauf warte, dass irgendwann der Augenblick kommt, an dem ich etwas Großes tun kann, dann entscheide ich mich für das Kleine im Heute. 365-mal etwas Kleines pro Jahr über ein ganzes Leben hinweg summiert sich und schlägt allemal das hypothetische Große. So banale Dinge, wie häufiger einen fleischfreien Tag pro Woche einlegen, unnötige Wege mit dem Auto vermeiden, im Winter nicht auf 30 Grad heizen, damit du im T-Shirt herumsitzen kannst, sinnlosen Konsum vermeiden oder eine kleine Spende an die, die für uns an vorderster Front kämpfen, helfen ungemein. Heißt das in manchen Fällen, auf Komfort zu verzichten? Ja, aber ist es das nicht wert, wenn wir damit helfen, zukünftigen Generationen noch eine bewohnbare Erde zu hinterlassen?

Ich finde es traurig, dass sich viele von uns so verhalten, als ginge sie das Ganze nichts an. Welchen Einfluss hat man als kleiner Bürger schon? Das sollen die Regierungen und die Wirtschaft lösen. Mit so einem Denken gibst du jede Selbstverantwortung auf und du nimmst dir dein demokratisches Recht Druck auf jene auszuüben, die Entscheidungen treffen. Wenn du durch dein eigenes Verhalten mit gutem Vorbild vorangehst, hilfst du nicht nur mit aktiv, die Welt zu retten, du beginnst damit, andere mit deinen Taten zu inspirieren. Mit jeder einzelnen guten Tat eines jeden von euch wird die Welt ein besserer Ort.

Ja, ich bin ein Träumer,…denn nur Träumer finden ihren Weg durchs Mondlicht und erleben die Morgendämmerung bevor die Welt erwacht.

Oscar Wilde

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