It’s time to slay the dragon

Noch eine Woche bis zum NibelungenULTRA

Obwohl ich in den letzten zwei Wochen das Trainingsvolumen sukzessive erst auf 80 km, dann auf 60 km pro Woche reduziert habe, kamen im August dennoch fast 500 gelaufene Kilometer zusammen. Das sagt viel über die ersten Wochen und die intensivste Phase meiner Vorbereitung aus. Das Ganze war gekrönt von einem 105 km Wochenende, an dem ich über den Samstag verteilt drei Halbmarathons gelaufen bin, um am Sonntagvormittag noch einen kompletten Marathon nachzulegen.

Füße hochlegen und regenerieren, denn bald ist es soweit

Die letzten Trainingswochen

Letzte Woche galt es noch ein paar Höhenmeter zu sammeln, dafür ging es unter der Woche zweimal in die Berge. Am Freitag saß ich dann im Auto auf dem Weg in den Odenwald. Dort angekommen, konnte ich übers Wochenende dank des Auf- und Ab des Mittelgebirges noch einige Höhenmeter sammeln. Außerdem habe ich gleich die Chance genutzt, den Nibelungensteig zu beschnuppern. Letzte Woche kam ich mir mit vier Laufeinheiten und schlappen 60 km direkt faul vor, aber ich weiß, dass diese Reduzierung des Trainingsvolumens sein muss. Man nennt das Tapern. Die Arbeit ist getan, über viele Wochen und Monate habe ich meinem Körper viel Stress zugemutet, in den letzten knapp zwei Wochen vor dem großen Lauf geht es nur darum, die Beine frisch zu bekommen, um ausgeruht und voller Energie am Start zu stehen.

Ein paar letzte Höhenmeter sammeln, um ich auf das Auf- und Ab des Nibelungensteigs vorzubereiten

Endlich wieder Zeit

Es ist schön, endlich mal wieder mehr Zeit zu haben. So viele Bücher liegen auf meinem Stapel, die gelesen werden möchten, außerdem ist jetzt auch der Augenblick gekommen, um zu realisieren, dass der NibelungenULTRA endlich gekommen ist. Während der intensiven Trainingsphase war der Lauf zwar omnipräsent, aber doch etwas, das da irgendwo in weiter Ferne liegt. In dieser Phase hatte ich weder die Zeit noch die Muse, die 130 vor mir liegenden Kilometer zu visualisieren. Nun ja, jetzt habe ich genau diese Zeit. Das führt zu einer Stimmungslage zwischen elektrisierter Vorfreude und purer Panik. Wenn die Panik aufbrandet, dann erinnere ich mich an die letzten neun Monate, an die fast 3.500 gelaufenen Kilometer, an die 60.000 überwundenen Höhenmeter, an die vielen Stunden, die ich für Mobilisierungsarbeit aufgebracht habe. Es ist wie damals in der Uni vor einer schwierigen Prüfung: Ich weiß, dass ich alles, in meiner Macht stehende getan habe, um bestmöglich vorbereitet zu sein, jetzt kann der Tag kommen, an dem es abzuliefern gilt.

Yay! Endlich wieder Zeit zum Lesen und auf dem Stapel liegt noch einiges mehr

Planung: Essen/Kalorienversorgung

Mein Hirn läuft trotzdem immer wieder Amok – aber das bin ich gewohnt. Ständig fallen mir Dinge ein, die noch vorbereitet werden müssen. Ich plane meine Verpflegung minutiös durch (und bin mir ziemlich sicher, dass unterwegs doch wieder alles anders kommt). Insgesamt 24 Rationen mit ca. 300-350 kcal liegen bereit; jede Stunde möchte ich meinen Tank auffüllen, um so eine Grundversorgung mit gut 8.000 kcal über den Tag verteilt zu haben. Die Packs enthalten Raw Bite Energieriegel, denn die liefern echte Energie, ohne Einfachzucker oder Zusatzstoffe. Dazu setze ich auf Trockenobst, Nüsse, gesalzene Erdnüsse und 85%ige Schokolade. Die 24 Rationen hat meine Ein-Mann-Crew in seinem Kofferraum, außerdem warten an den acht abgesprochenen Versorgungspunkten noch andere Leckereien auf mich (vornehmlich Frucht-Gemüse-Smoothies, frisches Obst, vollwertigen, rein pflanzlichen Koffein-Muffins, Reissalat etc.). Werde ich die 12.000 Kalorien wirklich brauchen? Wird mein Magen sie überhaupt vertragen/verarbeiten können? Keine Ahnung. Aber lieber habe ich zu viel Treibstoff auf Reserve, als dass mir nachher die Energie ausgeht.

Yep, that’s me – totally

Planung: Wasser bzw. Hydration

Das Gleiche gilt für die Hydration. Geplant ist es, je nach Wetter, alle 30 bis 45 Minuten einen halben Liter Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Dehydrierung ist für mich (wahrscheinlich für alle) der am stärksten leistungsmindernde Faktor. Viel trinken ist nicht nur wegen der Flüssigkeit wichtig, sondern auch wegen der Elektrolyte. Deshalb möchte ich reines Wasser vermeiden, denn bei einem solchen Lauf liefert es nicht genug davon und schwemmt im Gegenteil zu viele von ihnen aus dem Körper. Zuckerhaltige oder mit Zuckerersatzstoffen versehene Getränke/Pulver sind nicht mein Ding, sie schmecken mir nicht, sie stellen komische Dinge mit den Darmbakterien an und sorgen eventuell noch für ungewollte Blutzuckerspitzen. Mein nicht so geheimes Geheimnis ist Kokoswasser. Es enthält unteranderem viel Kalium und Antioxidantien, dazu liefert es Energie aus der Natur und nicht aus dem Labor. Das Kokoswasser werde ich ergänzen durch mit Himalayasalz versetztes und mit einem Schuss Zitronensaft versehenes Wasser. Auch hier greife ich mit insgesamt 20+ Litern lieber zu hoch.

Natürlich „überplane“ ich den Lauf komplett und jeder, der schon häufiger so eine Strecke (bitte melden) gelaufen ist, wird sich denken: „Junge, komm runter. Am Ende geht es nur darum, einen Fuß vor den anderen zu setzen.“ Aber ich bin Jungfrau, wenn es um eine Laufdistanz über 100 Kilometer geht und mein erster Versuch auf so einer Strecke ist nicht im Rahmen eines voll durchorganisierten Wettkampfs mit gut ausgestatteten Versorgungsstationen in regelmäßigen Abständen. Ich laufe alleine und muss mich um die Organisation mehr oder weniger alleine kümmern. Da übertreibe ich lieber etwas, als mir nachher etwas vorzuwerfen, was ich im Vorhinein hätte klären können.

Planung: Lauf- und Zwischenzeiten

Deshalb und als Orientierung für mich selbst, habe ich mir Splitzeiten für die einzelnen Treffpunkte mit meiner „Crew“ notiert. Diese Zwischenzeiten sind an mein realistisches 24-Stunden- und mein optimistisches 20-Stundenziel angelegt. Die Planung sieht folgendes Zeitfenster vor:

OrtKilometerLaufzeit 20 Std.Laufzeit 24 Std.Pause 20/24 StdUhrzeit 20 Std.Uhrzeit 24 Std.
Freudenberg0   18:00 Uhr18:00 Uhr
Miltenberg121:301:405/5 m19:3519:45
Amorbach261:502:105/5 m21:3022:00
Ottozell402:002:205/5 m23:3500:25
Hesselbach542:002:3010/10 m01:4503:05
Marbach Stausee762:303:0010/15 m04:2506:20
Grasellenbach901:502:1015/15 m06:3008:45
Lindenfels1041:502:2015/25 m08:3511:30
Reichenbach1192:102:4015/20 m11:0014:30
Zwingenberg1312:002:30013:0017:00
Gesamt 17:40 7,4 km/h bzw. 8:05er Pace21:20 6,14 km/h bzw. 9:46er Pace80/100 m1 Std. Reserve1 Std. Reserve
Minutöse Planung, die eigentlich nur schiefgehen kann

Natürlich ist auch diese Zeitplanung rein theoretisch und kann sich während des Laufs komplett auf den Kopf stellen. Dennoch finde ich es wichtig einzelne Marker entlang des Weges zu haben, um zu wissen, ob ich meinem Ziel voraus bin oder ob ich Minuten gewinnen muss. Wie ihr seht habe ich für jede der beiden Planzeiten eine Stunde Reserve eingeplant – damit habe ich sogar noch einen Puffer, falls es mich unterwegs zerbröselt und ich kotzend und krampfend in der Ecke liege. Was das angeht bin ich Realist, ich habe genug Berichte von Ultraläufen gelesen und genug Dokus gesehen, um zu wissen, was so ein Event mit dem Körper anstellen kann.

Das Problem mit dem Magen

Ich habe fünf bis sechs Liter Blut im Körper, die werden während des Laufens primär in den Beinen gebraucht, auch die schwingenden Arme, das Hirn und die stabilisierende Muskulatur braucht Blut. Da bleibt wenig übrig, um den Magen zu versorgen, damit dieser die zugeführten Nährstoffe verdauen kann. Deshalb habe ich meine Kalorien auf kleine, regelmäßige Gaben während des Laufs portioniert. Dennoch ist das Ganze für die Innereien sehr belastend. Zu der schwierigen Verdauungsarbeit kommt noch das ständige Auf- und Abschaukeln bei jedem Schritt. Viele Ultraläufer werden wegen Unwohlsein vorzeitig abgebrochen.

Diese Planereien und Zahlenspiele sind meine Art, mich auf den Lauf vorzubereiten. So kann ich mich auf konstruktive Weise mit ihm beschäftigen, es gibt mir das Gefühl, das was auf mich zukommt, unter Kontrolle zu haben. Zeit habe ich ja aktuell dazu. Die 60 km der letzten Woche waren da wirklich eine Wohltat und die nächste Woche wird noch entspannter.

Das Ziel ist jetzt ganz nah

Für die Woche genau vor dem NibelungenULTRA steht am Montag noch ein Pressetermin mit dem Bergsträßer Anzeiger aus, Dienstag drehe ich noch eine kleine acht bis zehn Kilometer Runde in gemütlichem Tempo und am Donnerstagabend oder Freitag in der Früh gibt es ein kurzes Anschwitzen. Den Rest der Zeit werde ich für Spaziergängen nutzen (um die Nerven zu beruhigen und die Beine in Bewegung zu halten), mit Lesen und – natürlich – mit Planungen und Vorbereitungen.

Es sieht nicht gut aus in unseren Wäldern – hilf mit, das zu ändern

Bei meiner Spendenaktion für den WWF haben wir mittlerweile die 1.000 Euro Marke durchbrochen, worüber ich mich sehr freue. Und damit sind wir noch lange nicht am Ende angekommen! Mein Arbeitgeber, die Bergzeit, hat mir eine Spende von 300 Euro zugesagt (ganz herzlichen Dank dafür!), dazu kommen weitere 300 Euro, die ich und meine Familie für den Abschluss des NibelungenULTRAs spenden. Da fehlt nicht mehr viel zum Zielbetrag von 2.000 Euro. Falls ihr auch noch einen Zehner für mein Projekt zum Schutz und Erhalt unserer Wälder betragen wollt, dann könnt ihr das hier gerne tun:

NibelungenULTRA – Spendenlauf für den WWF

Denn selbst wenn wir die 2.000 Euro erreicht haben, muss damit noch lange nicht Schluss sein. Wenn die Aktion X-Prozent mehr an Spenden einbringt – umso besser, die Natur und all jene, die für uns für sie kämpfen, können jeden Euro gebrauchen, damit wir auch morgen noch einen bewohnbaren Planeten haben.

Run with a pupose

Durch Zufall bin ich heute auf eine Aktion der Deutschen Sporthilfe gestoßen, die vom 05. Bis 06. September die Kilometer von Hobbysportlern sammelt und damit Mittel zur Finanzierung von Sportlern aufbringen möchte. Da nicht jeder Sportler das Glück hat, Profifußballer zu sein und viele Wettkämpfe (Olympische Spiele) nicht stattfinden, sind viele auf die Sporthilfe angewiesen. Da ich ja am Samstag eh unterwegs bin und ein paar Kilometer zusammenbekommen dürfte, habe ich mich gleichmal für die Aktion angemeldet.

Run with a pupose treibt mich mehr an, als Run for your ego.

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