Minimalismus Challenge

Geschafft?!

Der Januar ist vorbei und damit auch der erste Teil der Challenge. Aber ich will ehrlich mit euch sein, ich musste am 27. Januar aus dem MinsGame aussteigen. Wieso ich die letzten vier Tage nicht mehr geschafft habe? Es war einfach nichts mehr da, dass ich aussortieren konnte. Vier Tage klingt nicht viel, hätte aber bedeutet nochmal 120 Teile loszuwerden.

Auch so konnte ich mich von einer ganzen Menge Zeug verabschieden. 380 Teile, die irgendwo in meiner Bude rumgeflogen sind und mein Leben zugestopft haben, sind weg. Vielleicht wäre noch ein weiterer Tag drin gewesen, aber hätte es Sinn gemacht? Ziel des Spiels ist es, sich von Dingen zu trennen, die keinen Wert mehr für einen haben. Auch jetzt liegen noch Sachen bei mir rum, die wenig Nutzen haben, mir aber viel bedeuten – sei es, weil sie mit starken Erinnerungen verbunden sind oder weil sie Geschenke von Menschen waren, die mir viel bedeuten.

Das Ziel heißt: Loslassen

Deshalb kann ich sagen, dass die Challenge ein voller Erfolg war, auch wenn ich nicht bis zum letzten Tag durchgehalten habe. Aus meiner Sicht liegt der Gewinn bei der Challenge nicht darin, den Monat komplett durchzuhalten, sondern sich Platz zu verschaffen. Platz nicht nur im Sinne von leere Schränke und Regale, sondern Raum im Kopf, Loslösen von Zeug, das mich irgendwo festhält, mich an sich binden will.

Die ersten Tage waren unglaublich einfach. Neben dem Teil für Tag 1 hatte ich schon Teile für Tag 3 bis 7 rausgelegt – spätestens ab Tag 10 fing es an schwer zu werden. Jeden Morgen eine zweistellige Anzahl an Zeug in meiner kleinen Bude, in meinem auf wenig Besitz ausgelegten Leben zu finden, fiel zunehmend schwerer. All der offensichtliche Kram war schon weg, jetzt wurden die Entscheidungen schwerer. Am Anfang haust du einfach das Zeug raus, bei dem du eh schon weißt, dass du es loswerden musst, bisher aber einfach nur zu faul warst. Durch die Challenge war endlich der Druck da, es auch wirklich wegzubringen.

Welchen Wert hat Zeug?

Alles was danach kommt, heißt bewusst auszusortieren. Brauche ich das noch? Nutze ich es noch? Hat es noch einen Wert für mich? Ich räumte den einzigen Schrank, den ich habe – den Kleiderschrank (er stand schon in der Wohnung als ich eingezogen bin) – aus. Beim Wieder-Einräumen nahm ich jedes Teil in die Hand, legte es neu zusammen, überlegte, wann ich es das letzte Mal getragen habe, wann ich es wieder tragen werde. Dann war das Fach für T-Shirts voll und es lagen immer noch welche draußen. Also räumte ich alle wieder aus. Ich habe nur einen Körper und auf dem trage ich für gewöhnlich nur ein Shirt. Die Woche hat sieben Tage und am Ende der Woche ist Waschtag. Das Gleiche mit Socken, Unterhosen, Hosen, Pullis. Hier ließ sich richtig dick ausmisten. Die Klamotten wurden gespendet – so hat noch irgendwer was davon, der es wirklich braucht.

Echter Nutzen oder Deko?

Als nächstes waren Bücher dran. Es fiel mir immer unglaublich schwer mich von Büchern zu trennen. Ich kann nicht sagen, warum es mir so unglaublich schwer von der Hand geht, Bücher wegzugeben, dabei sind sie echte Backsteine und waren bei jedem Umzug das, was Kisten vollgestopft hatte. Ich habe Bücher, die drei oder viermal mit mir umgezogen sind und die ich manchmal sogar nur teilweise gelesen habe. Nachdem ich mir die Frage gestellt hatte, ob die Bücher nur da stehen, um im Regal gut auszusehen oder ob ich sie wirklich nochmal lesen würde, fiel mir das Aussortieren leichter. Warum sollte ich eine Wohnung dekorieren, in der es nicht mal Möbel gib? Mit der rebuy und momox App fing ich an die Barcodes der Bücher zu scannen und der Verkaufskorb wuchs. Mit jedem Buch, das ich in die Versandkiste gepackt hatte, wurde es einfacher, weitere auszumisten. Zwei große Kisten später gab es ein Plus auf meinem Konto und ein Minus an Zeug.

Als dritten großen Punkt war ich über mein Schuhregal und mein Outdoorequipment hergefallen. Ja, ich habe (oder hatte) eindeutig zu viele Schuhe und wiederrum nur ein Paar Füße, dennoch fand ich immer eine Rechtfertigung, acht bis zehn Paar Laufschuhe vor der Tür stehen zu haben (Schuhe sind mein großer Schwachpunkt). Außerdem hat sich berufsbedingt (wie ich mir gerne eingeredet habe) einen Menge Outdoorequipment angesammelt. Ob Biwaksack, drei Kocher, weit zu viele Rucksäcke und ein Sammelsurium an Kleinkram – alles suchte auf Ebay einen neuen Besitzer.

Weniger kaufen = Müll vermeiden

Damit ist auch schon weitgehend die Frage geklärt, wohin das ganze überflüssige Zeug gewandert ist. Was sich verkaufen ließ, wurde verkauft; was gespendet werden konnte, wurde gespendet; und nur wenn es gar nicht anders ging, wanderte der Kram in den Müll. Glaubt mir, es ist kein gutes Gefühl, Sachen wegschmeißen zu müssen. Doch sollte ich Dinge behalten, nur weil es niemand mehr haben will und ich es nicht wegschmeißen will? Das macht auch keinen Sinn. Es ist aber dennoch ein wichtiger Prozess, denn etwas wegzuwerfen, was man vor vielleicht gar nicht so langer Zeit gekauft hat, lässt dich über dein Konsumverhalten nachdenken. Warum hast du das Teil überhaupt jemals gekauft? Die Erkenntnis daraus ist: Denke schon beim Kaufen darüber nach, dass du das Teil ziemlich wahrscheinlich bald wieder wegwerfen wirst (was gerade bei Impulskäufen ganz sicher der Fall sein wird).

So gesehen war die Entrümpelung nicht nur gut, damit ich wieder mehr Raum für mich habe, sondern hatte auch gleich noch einen präventiven Charakter. Höre auf Schrott zu kaufen, dann brauchst du ihn später nicht wieder loswerden. Außerdem können wir dadurch auch einen großen Einfluss auf die Entmüllung des Planeten nehmen. Denn ökologisch ist nicht das nachhaltig produzierte Produkt, sondern das Produkt, das nicht produziert werden musste, weil keiner es haben will. Die Erde wird gesünder weil alle plötzlich E-Autos fahren und Klamotten aus recycelten Rohstoffen tragen. Die Erde wird gesünder, wenn wir weniger Elektroschrott anhäufen, wir uns nicht von jedem Trend hypen lassen, wir nicht immer alles gleich haben wollen, wenn wir die Dinge solange nutzen, bis sie wirklich kaputt sind, wenn wir nur dann etwas kaufen, wenn es unserem Leben einen wirklichen (Betonung auf wirklichen) Mehrwert bietet. Die Lösung liegt nicht darin, ökologischer zu konsumieren – die Lösung liegt darin bewusster und weniger zu konsumieren.

Deshalb startet jetzt auch der zweite Teil der Minimalismus Challenge: Für jedes neu gekaufte Teil heißt es zwei alte Teile auszusortieren.

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