Projekt 2020: NibelungenULTRA

Was ist ein Ultra (Ultra vs. Marathon)

Kommen wir erstmal zu den Begrifflichkeiten. Wenn man sich in einem bestimmten Themenfeld bewegt, vergisst man schnell, dass man vieles für selbstverständlich hält. Vor allem passiert das bei Begriffen. Bei Ultra denkt jeder an harte Jungs im Fußballstadion – aber wären diese Jungs hart genug, einen Ultra durchzustehen?

Als Ultra bezeichnet man einen Wettkampf/Lauf der länger ist, als ein Marathon. Wenn du also denkst, ein Marathon wäre die Königsdisziplin des Langstreckenlaufs, dann sage ich: Nah. Nehmen wir einen der bekanntesten und den wahrscheinlich ersten Ultralauf der Welt, den Western States 100. Hier läufst du 100 Meilen, nein keine Kilometer, sondern Meilen, das sind über 160 km. Du läufst sie nicht auf Etappen, sondern am Stück. Anders als bei den meisten Marathons bewegst du dich nicht über breite Straßen, du rennst über schmale, mitunter sehr technische Trails, kletterst 5.500 Höhenmeter hinauf und ballerst 7.000 Höhenmeter auf mitunter gefährlichen Downhills herunter. Der Rekord für den Western States hält übrigens Jim Walmsley. Nie gehört? Tja, das solltest du aber, denn dieser Teufelskerl hat das Rennen 2019 in 14 Stunden, 9 Minuten und 28 Sekunden gewonnen!

Wenn du jetzt denkst: Wow! Wer macht sowas freiwillig? Dann ist die Reaktion berechtigt. Allerdings muss man sagen, dass der Western States Endurance Run nichtmal zu den härtesten (und längsten) Rennen auf diesem Planeten gehört. Und gerade während ich das hier Schreibe denke ich mir, dass ich euch unbedingt einen Beitrag schulde, in dem ich ein paar der härtesten und verrücktesten Rennen der Welt vorstelle.

Ich und Wettkämpfe

Ich mag keine Wettkämpfe. In einem Pulk aus Leuten stehen, rundherum Turbel, und darauf warten, dass mir irgendwer erlaubt, endlich loszulaufen. Dann quetschst du dich mit all diesen Menschen über schmale Wege durchs Gelände, wobei du einen Rucksack mit Pflichtequipment schleppst, bei dem du weißt, dass du es nie und nimmer brauchen wirst. Alle fünf Kilometer wirst du an Versorgungsstationen mit isotonischen Getränken vollgepumpt und mit Bananenstücken beworfen (okay, der Teil ist gar nicht so schlecht).

Ich will Wettkämpfe gar nicht schlecht machen. Eine Menge Leute finden Gefallen daran und sie helfen vielen, das Jahr über motiviert zu trainieren. Nur für mich ist das halt nichts.

Die Paar Rennen, die ich gelaufen bin, waren schon okay, aber ich brauche keine anderen Läufern an dem ich mich messen kann, mir reicht es, mich an mir selbst zu messen. Wenn ich also sage, dass Wettkämpfe nichts für mich sind, dann meine ich organisierte Rennen – für Herausforderungen allerdings habe ich sehr viel über. Und hier kommt der Nibelungensteig ins Spiel.

Der Nibelungensteig

Viele die das hier lesen, weder ihn kennen. Allen anderen möchte ich den Fernwanderweg kurz vorstellen.

Über 130 Kilometer und 4.000 Höhenmeter zieht der Weg durch Nibelungenland, dabei verbindet er Zwingenberg an der Bergstraße mit Freudenberg am Main. Dabei läufst du durch drei Bundesländer (Hessen, Baden-Württemberg und Bayern) und folgst der berühmten deutschen Sage auf Schritt und Tritt.

Kurz gesagt: Du wanderst durch eine Gegend mit einer Vielzahl an historisch bedeutenden Stätten. Aber ganz nebenbei ist es auch landschaftlich eine absolut lohnende Tour. Ob Felsenmeere, dichte, urige Wälder, sanfte Hügel oder saftige Wiesen, dir wird viel geboten. Dazu ist die Ecke unheimlich ruhig. Wenig Trubel, erstaunlich wenig Menschen und viel Raum zum Atmen belohnen all jene, die sich zu dieser Tour aufmachen.

Wären die historischen Schauplätze der Nibelungensage alleine schon Grund genug, den Weg zu gehen, kommst du auch an der Burg vorbei, auf der Wolfram von Eschenbach den Parcival schrieb (zumindest einen Teil davon) und durchstreifst das Land in dem der Götz von Berlichingen sein Unwesen trieb.

Völlig zurecht hat der Nibelungensteig 2008 die Auszeichnung „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ erhalten.

(Wenn du nun Blut geleckt hast und den Weg selbst einmal gehen möchtest (du darfst dir gerne ein paar Tage dazu Zeit lassen), dann schau mal auf der Homepage des Nibelungenlands vorbei.)

Wieso der Nibelungensteig

Okay, nachdem ich den Weg nun ausgiebig gefeiert habe, erscheint dieser Teil überflüssig. Dennoch ist der Nibelungensteig für mich nicht einfach nur eine schöne Wanderung, die ich vor Jahren mal gemacht habe.

(Meine Zeit auf dem Nibelungensteig kannst du in der zweiten Hälfte meiner Erzählung Heimwärts nachlesen).

Deshalb hat der Nibelungensteig ein besonderen Platz in meinem Herzen, weshalb ich bei jedem Heimatbesuch die Chance nutze, ein Stück von ihm zu laufen. Dann irgendwann war er da, dieser Gedanke: Ob schonmal jemand das Ding in einem Stück gelaufen ist? Wie lange würde das dauern? 130 Kilometer wären eine schöne Distanz für einen Ultralauf. Könnte ich der Erste sein, der das fertigbringt?

Wann will ich das angehen?

Ich bin noch nie eine solche Distanz gelaufen, nicht mal ansatzweise. Doch das letzte Jahr lief gut für mich (wortwörtlich). Meine Beine sind verletzungsfrei geblieben, der aerobe Motor wurde immer leistungsfähiger, was summa summarum gute 2.100 Trainingskilometer und 50.000 Höhenmeter für 2019 ergeben hat.

Mit gesunden Beinen kann ich im Winter weiter an der Grundlage arbeiten und dann stark ins Frühjahr starten. 130 Kilometer am Stück zurückzulegen, wird kein Pappenstiel – ich bin da realistisch – entsprechend gut vorbereitet will ich das Unterfangen angehen. Deshalb habe ich mir den Herbst 2020 als Zeitpunkt herausgepickt. Über die Weihnachstfeierstage will ich den Trainingsplan ausarbeiten (den ich dann gerne mit euch teile), um dann das Datum für den NibelungenULTRA genauer zu bestimmen.

Auch wenn ich euch jetzt viel darüber erzählt habe, warum ich den Nibelungesteig in unter 24 Stunden laufen will, werdet ihr euch sicher fragen: Warum zum Teufel willst du dir das überhaupt antun?! Diese Frage versuche ich euch im nächsten Beitrag zu beantworten.

2 Kommentare zu „Projekt 2020: NibelungenULTRA

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